

Valide Zahlen zur Bestimmung der Größenordnung von Analphabetismus sind nicht einfach zu bekommen. Insbesondere für Länder, in denen es Schulpflicht gibt und man es mit dem "funktionalen Analphabetismus" zu tun hat, ist dieser schwer zu erheben.
Dies beginnt mit der Frage der Definition von "funktionalem Analphabetismus". Um die Zahl der Analphabeten erheben zu können, muss man zunächst bestimmen, wer zu dieser Gruppe zu rechnen ist.
Dann ist die Erhebungsmethode ein Problem: Funktionale Analphabeten versuchen zumeist, ihr Problem zu verstecken und so gut es geht unerkannt durch den Alltag zu kommen und werden unwahrscheinlicherweise ehrlich in einer Befragung antworten.
Jedoch sind Zahlen zur Bestimmung der Größenordnung von Analphabetismus unerlässlich um zu einer Grundlage für Bildungsplanung zu kommen. So gab und gibt es verschiedene Versuche, im Rahmen nationaler und transnationale Studien, Lese- und Schreibkompetenz zu erheben. Nachstehend finden Sie eine (nicht repräsentative) Reihe solcher Studien.
1994 führte die Organisation für ökonomische Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den International Adult Literacy Survey (IALS) durch. An dieser internationalen Vergleichsstudie zur Lesekompetenz Erwachsener nahmen neun Länder teil: Kanada, Frankreich, Deutschland, Irland, Polen, Schweden, die SChweiz, Niederlanden und USA. Die Ergebnisse wurden unter dem Titel Literacy, Economy, and Society: Results of the First International Adult Literacy Survey veröffentlicht.
Fünf weitere Länder (Groß Britannien, Australien, der flämische Teil Belgiens, Neuseeland und Nordirland) wandten die im Rahmen von IALS entwickelten Meßinstrumente auf vorhandene Datensätze an. Die Ergebnisse wurden unter dem Titel Literacy Skills for the Knowledge Society veröffentlicht.
Groß Britannien richtete als Reaktion auf die Ergebnisse von IALS eine Kommission unter der Leitung von Sir Claus Moser ein. Der Abschlussbericht "A Fresh Start" (Kurz "Moser Report") führte insgesamt 22 Empfehlungen auf: Von der Einrichtung einer zentralen Behörde zur Umsetzung der Empfehlungen, einem nationalen Budget, einer nationalen Medienkampagne zur Steigerung der Teilnehmerzahlen an Grundbildungskursen, usw. [Siehe hierzu: Links]
Weitere Informationen auf den Internetseiten der OECD

2004 - 2005 führte die Agence National de Lutte contre l'Illetrismus (ANLCI) in Frankreich die Studie "Information et Vie Quotidienne" (IVQ) durch.
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse in deutscher Sprache finden Sie hier... (PDF, 1,02 MB)
Seit 1991 veröffentlicht die UNESCO alle zwei Jahre einen Weltbildungsbericht mit aktuellen Informationen über die Entwicklung des Bildungswesens im internationalen Vergleich. Der Weltbildungsbericht bietet eine konzentrierte Übersicht von Daten und Fakten zu Bildungsmöglichkeiten und Bildungsgrad nach Altersgruppen und Geschlecht, Alphabetisierung und Schulbesuch, Auslandsstudien, höherer Bildung und Forschung, Bildungsausgaben und Finanzierung. Diese "Weltindikatoren für Bildung" werden in den Kontext des jeweiligen Landes oder der Region gestellt und ermöglichen vielfältige Vergleiche.Am 9. November 2005 hat die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation) in London ihren Weltbericht "Bildung für alle" 2006 vorgestellt.
Schwerpunkt des Weltbildungsberichtes 2006 "EFA Global Monitoring Report 2006: Education for All" ist Alphabetisierung. Der Bericht gibt einen Zwischenstand nach dem Weltbildungsforum in Dakar 2000, bei dem sich 164 Länder verpflichtet haben, sechs Bildungsziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen.
Eine deutschsprachige Kurzzusammenfassung finden Sie als PDF auf den Internetseiten der Deutschen UNESCO-Kommission.
Die originale Langfassung (englisch, französisch und spanisch) finden Sie unter
www.efareport.unesco.org
"Alphabetisierung/Grundbildung ist in einen internationalen Kontext eingebettet und gilt als ein wichtiger Bestandteil des Konzepts vom Lebenslangen Lernen. Durch die OECD-Studie International Adult Literacy Survey (IALS) wurde die Bedeutsamkeit von Literalität unter der erwachsenen Bevölkerung unterstrichen. Die Kleinen DIE-Länderberichte Alphabetisierung/Grundbildung ermöglichen jeweils einen Einblick in die Thematik und den aktuellen Stand der Diskussion. Da es sich um einen komplexen Bereich handelt, der zudem auch schnell eintretenden Veränderungen (vielfältige Aktionen, überwiegend Projektarbeit etc.) unterliegt, geht es hier nicht um Vollständigkeit in der Darstellung, sondern um einen Überblick. Die Länderberichte geben Anregungen, stellen Alternativen in der Gestaltung der Alphabetisierungs-/Grundbildungsarbeit vor und bieten so die Möglichkeit, über Landesgrenzen hinaus voneinander zu lernen. Ein weiteres Ziel besteht darin, den Austausch zu befördern und die transnationale Vernetzung zu stärken." (Quelle: DIE)
Monika Tröster: Kleine DIE-Länderberichte Alphabetisierung/Grundbildung: Einleitung (PDF)
Andrea Linde: Kleine DIE-Länderberichte Alphabetisierung/Grundbildung: Niederlande (PDF)
Andrea Linde: Kleine DIE-Länderberichte Alphabetisierung/Grundbildung: Belgien (PDF)
Monika Tröster: Kleine DIE-Länderberichte Alphabetisierung/Grundbildung: Deutschland (PDF)
Monika Tröster: Kleine DIE-Länderberichte Alphabetisierung/Grundbildung: USA (PDF)
Im Rahmen des Projekts APOLL 2003 durchgeführte Erhebung zur Lebenssituation und Technikausstattung (LUTa) von erwachsenen funktionalen Analphabeten. Befragt wurden 1015 Teilnehmer an Alphabetisierungskursen an 29 VHS in 13 Bundesländern.
LuTA-Studie als PDF (17 Seiten)
"Education costs money, but then so does ignorance." Sir Claus Moser
Als Reaktion auf die Ergebnisse von IALS richtete die britische Regierung eine Expertenkomission unter Leitung von Sir Claus Moser ein. Die Komission erarbeitete konkrete Vorschläge, um die Probleme im Bereich Grundbildung bei Erwachsenen zu bearbeiten. Der Bericht der Komission wurde unter dem Titel A Fresh Start (Auch: Moser Report) veröffentlicht. In dem Bericht wurde u. a. festgestellt, dass
Der sogen. Moser-Report stellte 21 Empfehlungen (Recommendations) zusammen. Dazu gehören u. a.:
Der Abschlussbericht der Kommission unter Leitung von Sir Claus Moser zur Erhebung des Grundbildungsbedarfes in Groß Britannien. www.lifelonglearning.co.uk/mosergroup
Spätestens seit Veröffentlichung der Ergebnisse des ersten Durchgangs der internationalen Schülerleistungs-Vergleichsstudie PISA (Programme for international Students Assessment) ist Bildung Top-Thema in Deutschland.
Im Rahmen von PISA werden in drei Durchgängen die Leistungen von Schülern erhoben und verglichen. Die Studien haben dabei je unterschiedliche Schwerpunkte. PISA 2000 konzentrierte sich auf die Lesenkompetenz, PISA 2003 focusierte auf naturwissenschaftliche Kompetenzen und PISA 2006 wird die
Weitere Informationen
zu PISA 2000 auf den Internetseiten des Max Planck Instituts für Bildungsforschung
zu PISA 2003 auf den Internetseiten des IPN an der Universität Kiel
zu PISA allgemein auf den Internetseiten der OECD
Bei der Internationalen Grundschul Leseuntersuchung IGLU (auch PIRLS: Progress in International Reading Literacy Study) wurde das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern der vierten Jahrgangsstufe getestet.
Weitere Informationen auf den Internetseiten der Universität Hamburg
Im Rahmen des Projekts APOLL (Alfa Portal Literacy Learning) wurden in der LuTA-Studie die Lebensumstände und Technik-Ausstattung funktionaler Analphabeten erhoben. Im Zeitraum März-Mai 2003 wurden 1.015 Kursteilnehmer von Alphabetisierungskursen an 29 Volkshochschulen befragt.
Im Rahmen des hessischen Projekts "Vocational Literacy. Methodische und sprachliche Kompetenzen in der beruflichen Bildung" sollte erhoben werden, inwiefern Berufsschüler in der Lage sind, in der Fachsprache ihres Ausbildungsberufs zu kommunizieren. Des Weiteren sollten Vorschläge für den Unterricht entwickelt werden, um den Ausbau einer Fachsprach-Kompetenz zu unterstützen.
Doch recht bald stellte sich heraus, dass die Schüler bereits im allgemeinsprachlichen Bereich derart massive Probleme haben, dass an die Entwicklung einer Fachsprachkompetenz nicht zu denken war.
Weitere Informationen auf der Internetseite des Instituts für Qualitätsentwicklung Hessen
20 % der US-Collegestudenten, die nach 4 Jahren und 30% der Studierenden, die nach 2 Jahren einen Abschluss erwerben, weisen erhebliche Mängel im Bereich Grundbildung auf. Dies bedeute, das sie nicht in der lagen seien "einzuschätzen, ob ihr Auto noch genug Benzin habe, um zur nächsten Tankstelle zu kommen, oder die Gesamtkosten einer Bestellung von Büromitteln zu überschlagen." Dies geht aus der Studie "The Literacy of America's College Students" der American Instituts of Research 2006 hervor.
College-Professoren beklagen, dass nicht wenige der Studierenden vor ihrem Studienbeginn kaum etwas gelesen haben und erwarten auch ohne umfangreiche Lektüre gute Noten zu bekommen. Die Unfähigkeit gut und zügig zu lesen mache einen aussagefähig qualifiziertenden Abschluss unmöglich, auch wenn sie es schaffen ein College-Diplom zu erwerben.
Die Studie wurde von den Pew Charitable Trusts finanziert und ist Teil des National Survey of America's College Students (NSACS). Befragt wurden 1,827 Absolventen von 80 zufällig ausgewählten 2-Jahres und 4-Jahres Colleges und Universitäten (68 öffentlich und 12 private) verteilt auf die gesamten USA.
Bei der Studie wurden die selben Erhebungsinstrumente wie beim National Assessment of Adult Literacy (NAAL) verwendet.
Als Niveaus von Alphabetisierung wurden festgelegt: Below Basic, Basic, Intermediate, or Proficient on the basis of the abilities of participants.
Die ganze Studie als PDF( 56 Seiten)
Die Webseite des American Institure for Research
Der Kursfinder ist umgezogen. Ab sofort finden Sie ihn unter: www.ich-will-lernen.de.